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LodlanD - Natur und Technik

Kurzbeschreibung
Völkerbund
Kobe-Uppland & Scientia
Natur und Technik

Natur und Technik - Die Gegensätze zweier Kulturen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Auf der einen Seite das Technikorientierte Scientia, in zwei Kasten geteilt, immer am Rand der sozialen Explosion. Es ist dies das vom Forschungsstand fortschrittlichste Land des RDL, mit immensem Wissen gesegnet, aber in entsprechenden Kreisen ständig bedroht vom großen Feind „Langeweile“.

Auf der anderen Seite Kobe-Uppland, die eigenartige Mischung aus Bauernstaat, Theokratie und einer alles durchziehender Lüge, die das Land zusammenhält. Einfachste Technik, Landwirtschaft und Familienleben begegnen innerhalb des selben Landes unaufhaltsam Fortschritt, kalter Rationalität und erzwungener Sterilität.

Natur und Technik baut auf den Länderbeschreibungen des Grundregelwerkes auf und vertieft die Kenntnisse über Scientia und Kobe-Uppland immens. Neben einer weitergehenden Beschreibung der Landeseigenheiten sind natürlich auch je Land wieder ein Reiseführer und ein Abenteuer enthalten, die zum direkten Losspielen einladen. Und nicht zuletzt präsentieren wir ihnen eine ganz neue Schiffsklasse.

Mit Natur und Technik halten die alles in der Hand, was sie für spannende Abenteuer in Scientia und Kobe-Uppland benötigen.

Meinung:
Der Rückentext gibt einen guten Überblick über den Inhalt, auch wenn er, wie später noch zu sehen sein wird, mehr verspricht als er halten kann.

Scientia besteht, wie der Klappentext erwähnt, aus den „Niederen“, die hauptsächlich körperliche Arbeiten verrichten, und den „Höheren“, die alle Führungspositionen besetzen. Das, zusammen mit den Namen der Städte, erinnert stark an das England des 18. Jahrhunderts, in dem nur die Reichen und Adeligen politische Macht hatten, während sie die einfach Bevölkerung unterdrückten und ausbeuteten.
Tatsächlich würde das, zusammen mit der hohen Computerisierung und dem ständigen Streben nach Produktivität, ein wirklich gutes Spannungsfeld darstellen, aber leider wird das im Folgenden nicht weiter aufgegriffen
Zwar gibt es einen Absatz über eine Gruppe von Aussteigern, den „Rags“, und eine kurze Erwähnung in der Historie über einige Aufstände, doch wird weiter nicht auf Unzufriedenheiten eingegangen. Eine gut ausgebildete Miliz und der hohe allgemeine Wohlstand sorgen dafür, dass die Unteren ruhig bleiben. Das geht sogar soweit, dass diese Trennung weiter hinten in der Beschreibung von Scientia überhaupt nicht mehr, oder nur am Rande, erwähnt wird.
Ein weiter viel versprechender Ansatz ist die durchgehende Computerisierung und Vernetzung Scientias. Regierung, Sicherheit, öffentliches Leben - alles wird überwacht und geregelt von Computern. Aber auch hier wird nicht konsequent weitergedacht. Eine bedrohliche Atmosphäre von ganzheitlicher Überwachung scheint es nicht zu geben. Soziale Probleme (Vereinsamung und Rückzug in die digitale Welt, wie heute schon z.B. in Japan zu beobachten) und Störfaktoren (Einlass in Bars erst ab einem gewissen Kontostand oder personalisierte Werbung) werden zwar behandelt, aber nur kurz und ungenügend.

Die gute Seite ist, dass das normale Leben (allerdings nur der Höheren), bestehend aus Arbeit, Erfolgsdruck, „immer-aktuell-sein“ und dem Drang, sich ständig präsentieren zu müssen, sehr ausführlich beschrieben wird, genauso wie derRegierungs- und Rechtsapparat.

Das Kobe-Uppland ist das große Gegenstück zu Scientia. Während die einfache Bevölkerung in einer Art „Sci-Fi-Mittelalter“ lebt, arbeiten die als Götter verehrten Kobul daran, das Land zu verwalten. Zwar stellen sie sich ganz in den Dienst der Bevölkerung, haben aber gleichzeitig die absolute Macht über sie.
Beim Lesen der Texte kam mir schnell das Bild des feudalen Japan, mit seinen Shogunen und Beamten in den Sinn. Wahrscheinlich ist diese Assoziation nicht ganz zufällig, denn „Kobe“ ist eine Stadt in Japan, und die ersten der Unterwasser-Kuppeln, so wird es erzählt, wurden mit Hilfe einer Stadt eines fernen Landes erbaut und zu deren Ehren nach dieser Stadt benannt. Die Sprache und die Namen dagegen wirken eher Norddeutsch - was zur Geschichte passt.

Leider gilt hier das gleiche wie in der Beschreibung von Scientia: Es gibt viel Text, aber viele der Ansätze werden nicht konsequent verfolgt.
Die Kobul, als Götter verehrt, treten doch ab und zu öffentlich auf, in der Handelszone, dem verbindenden Terrain zwischen den Reichen sogar dauernd - als Grenzwächter. Ausländer dürfen Kuppeln besuchen, aber Angst, dass einer von ihnen die normale Bevölkerung über den Irrglauben an die Kobulgötter aufklären könnte, besteht offenbar nicht. Andere Religionen des RDL haben die Kobul als Götter akzeptiert oder stellen sie mit ihren Gottheiten gleich, und da Philosophie eine Art Volkssport ist, werden Zweifel einfach wegdiskutiert.

Das gröbste und wichtigste Manko am ganzen Band ist, dass er viel zu oberflächlich ist. Man merkt, dass es sich an erfahrene Meister und solche Spielleiter wendet, die eine Welt selbst ausschmücken können, denn spezielle nur für den Meister bestimmte „geheime“ Informationen fehlen. Stets hat man das Gefühl, dass Dinge zurückgehalten werden, dass Sachverhalte nicht ausreichend erklärt werden und Hintergründe immer noch im Verborgenen liegen. Zwar weiß man nach der Lektüre des Bandes mehr über die Gesellschaften, aber einen wirklichen Einblick hat man nicht bekommen. Dazu kommt, das es keinerlei Tabellen, z.B. für Währungen oder Übersichtskarten der Regionen gibt, dazu muss das Grundregelwerk herhalten.
Das Gleiche gilt für die Illustrationen - zwar gibt es einige davon, und auch die Qualität ist gut, aber die meisten der dargestellten Szenen haben keinen landesspezifischen Wiedererkennungswert. Es fehlen einfach Panoramabilder der Kuppeln von außen und innen, von Städten und Häfen.
Auch ein Gefühl der Enge, das bei einer Welt unter Wasser ja Standart sein sollte, kommt nicht auf - und leider auch nicht das Gefühl, gänzlich frei davon zu sein. Es ist eine Art „Wir leben in Kuppeln unter Wasser, aber wir reden nicht davon“- Stimmung.
Abgesehen vom Inhalt gibt es auch einiges auszusetzen am Schreibstil. Er wirkt an vielen Stellen zu aufgesetzt, geschwätzig und zum an den Kopf greifen, am besten zu sehen an einem zweiseitigen Abschnitt über die Modetrends in Scientia, der gespickt ist mit englischen Begriffen, die leider an absolut unpassenden Stellen stehen und ein einer Menge vorkommen, die das Lesen nur anstregend machen. Häufig ist der Band dagegen schlicht und ergreifend langweilig.

Allerdings gibt es auch gute Seiten:
Ganz vorne die Abenteuer, die gute Ideen aufweisen - das erste ein Kunstdiebstahl im Uppland, das zweite eine Atlantiküberquerung, die zu einem Spionagethriller mutiert, doch nur wenn der Spielleiter gut ist, denn Hilfen für unerfahrene Meister gibt es kaum.
Auch die Einteilung der Kapitel ist gut gemacht: Uppland ist sehr erzählerisch, einfach und fortlaufend beschrieben, während Scientia wissenschaftlich und professionell glatt dargestellt wird.
Ein weiteres Pro sind die angekündigten „Reiseführer“. Sie beinhalten einen Großteil der Ortsbeschreibungen und lesen sich auch so, als würden sie in einem solchen stehen. Das aber in einem positiven Sinne.
Dagegen in dieser Form unnötig sind die „Das andere ...“- Kapitel, in denen drei selbsternannte Wahrheitsfinder die dunklen Seiten der Länder vorstellen, und Tipps geben, wie diese zu erreichen sind. Viele dieser Informationen hätte man aber auch in die normalen Reiseführer schreiben oder als Meisterinformationen noch tiefer und dunkler wirken lassen können.

Fazit:
Alles in allem ist „LodlanD – Natur & Technik“ ein solider, wenn auch ausbaufähiger Quellenband für Spieler. Meister müssen sich für genauere Details ihrer Fantasie bedienen - diese findet für den Interessierten aber genug Anregung. Voraussetzung ist allerdings die Kenntnis des Grundregelwerks.

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Statistik:
gelesen: 477 mal
Wörter: 1686
geschrieben am: Mon, 20 Apr 2009
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