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„... und zum Schluss noch ein Dungeon“ Teil 4 Relationship Maps

Nachdem wir uns nun überlegt haben, was wir in unserem Szenario etwa machen wollen, wollen wir die einzelnen Figuren postieren und in Verbindung zu einander bringen. Dazu bedienen wir uns  einer  Relationship-Map.
Auf der Relationship-Map werden alle für unser Szenario wichtigen Figuren, sein es NSC oder SC aufgeführt, und in Verbindung mit einander gebracht. 

                Unser Beispiel-Szenario:

Unser diesmaliges Beispiel-Szenario entnehmen wir der Sciencefiction. Die Charaktere halten sich auf einer alten Raumstation auf, plötzlich fangen Leute an zu verschwinden, und werden zerfetzt wieder aufgefunden. Ein geheimes außerirdisches Virus hat einen gut befreundeten NSC befallen, und verwandelt ihn des Nachts in eine reißende Bestie. Der Kommandeur der Station schiebt die Vorfälle aber auf eine Gruppe Außerirdischer, welche gerade um Asyl gebeten hat, nachdem die Charaktere diese gerade noch von ihrem explodierenden Planeten retten konnten. Als Konflikte haben wir hier also Konflikt 16 (Wahnsinn) und Konflikt 33 (Falsche Beurteilung), als Anknüpfungspunkt Auftrag (und zwar im Unterpunkt Notwendigkeit). 

        Der Weg zur Relationship-Map 

Als erstes schreibe ich mir alle Figuren auf ein Blatt Papier. Dabei kommt die Person, welche ich als SL am wichtigsten erachte in die Mitte.

Auch sollte ich beachten, dass die SC nicht zwangsläufig mit auf die Relationship-Map müssen. Sollten sie keine Beziehung zu den NSC haben, und nur zufällig mit in den Konflikt gezogen werden (sei es, dass sie beauftragt werden, etwas zu tun (hätte ja auch jeder andere sein können), oder dass sie bloß versuchen heil aus dem Konflikt herauszukommen (wollen andere auch)).

 


Exkurs: SC und die Relationship-Map.

SC mit in die Relationship-Map zu bringen ist schwierig, weiß man doch selten, wie die Spieler selbst zu diesen Punkten stehen. Ob man es machen kann, oder nicht, sollte man anhand der Flaggen und der Hintergrundgeschichte entscheiden, im Zweifelsfalle die SC lieber rauslassen, und Beziehungen sollten eher zu den SC hingehen, als von diesen weg.

 

Bei diesem ersten Entwurf fällt einiges auf. Erstens, noch ist unklar, wie die Parteien zu einander stehen, außerdem sind zwei Figuren auf der Map keine Personen, sondern Gruppen. Wir sollten also im nächsten Schritt die Beziehungen festlegen, und versuchen ob wir die Gruppe unterteilen können.

Beginnen wir mit zweiterem. Kann man die SC unterteilen. Hier kann man keine klare Aussage treffen. Wir wollen ja, dass die SC mit dem Bordtechniker befreundet sind, das kann ein SC sein, oder auch mehrere, also lassen wir diese Gruppe so bestehen (hier haben wir ja auch einfach den Vorteil, dass SC sowohl Einzahl als auch Mehrzahl sein kann).

Die andere Gruppe sind die Außerirdischen. Ideal wäre es ja, wenn der Kommandant ein einzelnes möglichst hochrangiges Mitglied verdächtig, zum Beispiel das religiöse Oberhaupt der Außerirdischen.

Die ersten Beziehungen lassen sich ja schon aus unserer Idee ableiten. Der Kommandant verdächtigt die Außerirdischen, und die SC sind mit dem Bordtechniker befreundet. Außerdem sind die Aliens den SC dankbar. Zeichnen wir dies also erstmal ein.


Also sind nun die Gruppen verschwunden, und die ersten Beziehungen tauchen auf. Aber so wirklich spannend ist unsere Map immer noch nicht. Als nächstes sollten wir uns erst einmal Gedanken machen, ob wir zwischen den bestehenden Figuren weitere Beziehungen ausmachen können. Am offensichtlichsten ist natürlich, dass es zwischen Kommandant und Stationstechniker eine Beziehung gibt. Vielleicht ist der Stationstechniker ja der zuverlässigste Mann des Kommandanten, und damit über jeden Zweifel erhaben. Außerdem wird der Kommandant mit den SC nicht sonderlich glücklich sein (immerhin haben sie ihm die Außerirdischen auf die Station gebracht. Bleibt nur noch die Frage, wie steht der Stationstechniker zu den Außerirdischen. Wahrscheinlich teilt er den Argwohn des Kommandanten. Bringen wir das also mit in die Relationship-Map ein.

 


So, nun haben wir eigentlich schon eine schöne Relationship-Map, aus der man Ideen ziehen kann, und welche die Verhältnisse klar darstellt.

              Pepp in die Sache bringen

 Bislang tauchen nur sehr wenige Figuren in der Relationship-Map auf, also wird es Zeit mehr hineinzubringen.

Wichtig bei den Figuren ist, dass sie eine Beziehung zu den anderen haben, und auch wirklich handeln können.

Um weitere Figuren zu finden, können wir zu erst einfach einmal bei jeder Figur, die sich bereits auf der Map befinden eine kurze Analyse durchführen, wenn man noch im Umfeld vermuten könnte.

Beginnen wir mit dem Kommandanten:

1.   In seinem Gefolge befindet sich sicherlich ein Sicherheitschef, der die Morde aufklären will

2.   Warum schmeißt er die Außerirdischen nicht einfach von der Station, oder lässt sie verhaften, wenn er sie verdächtigt? Macht er dass, und die Morde gehen weiter, wäre das sicherlich auch ein Weg, herauszufinden, ob sie schuldig sind, aber macht uns die Map ja irgendwo kaputt. Aber vielleicht hat er einen alten Freund unter den Außerirdischen, zum Beispiel einen Kampfgefährten aus dem letzten Krieg, der nun eine wichtige Position bei den Außerirdischen inne hat.

3.    Warum schmeißt er die SC nicht von der Station, vielleicht ist ja gerade ein Admiral unterwegs, der die SC ehren soll, für die Rettung der Außerirdischen.

 

Dann nehmen wir uns den Infizierten vor: 

1.      Hier gibt es klar die Opfer

2.      Der Infizierte hat sicherlich Familie, vielleicht einen Sohn und eine Schwiegermutter

Der Außerirdische-Priester

1.      Hier gibt es sicherlich einen Anführer, vielleicht einen Häuptling

2.      Eventuell hat er einen Novitzen

 

So, nun prüfen wir bei jeder weiteren Figur, ob sie wirklich wichtig für die RelationshipMap ist, ideal sind dabei natürlich alle Figuren, die eine Verbindung mit 2 anderen Figuren haben. 

Kommen wir als erstes zum Sicherheitschef. Hier müssen wir uns überlegen, ob er die Postition des Kommandanten teilt, ob er offen selbst ermittelt, oder gar jemanden anderen verdächtigt. Gehen wir mal davon aus, der Sicherheitschef ermittelt offen und ehrlich. Dann trägt er nichts zum Konflikt bei, muss also nicht auf die RelationshipMap. Angenommen er teilt die Position des Kommandanten, so muss er auch nicht mit auf die Map, den dann wären seine Verbindungen die selben wie beim Kommandanten, man kann ihn aber gut einfach unter den Kommandanten setzen. Er könnte auch jemanden anderen verdächtigen, dann könnte er, und diese Person mit auf die Map. Da er die Postion des Kommandanten teilt, ordnen wir ihn diesem einfach unter. 

Der Außerirdische Freund des Kommandanten ist eine sehr ideale Person, zerrissen zwischen dem Kommandanten, und seinem religösen Oberhaupt, machen wir ihn noch zum Häuptling, dann haben wir auch gleich die Beziehung zum Priester. 

Dann haben wir den Admiral, der die SC ehren will, und weswegen der Kommandant ohne Beweise weder die SC noch die Außerirdischen von der Station schmeißen kann. Da er nur eine Motivation darstellt, und nicht selbst handeln kann (da er ja im Hyperraum weilt), hat er auf der Map nichts zu suchen. 

Dann kommen die Opfer des Infizierten dran, sicher haben sie eine Beziehung, zu mindest zu ihrem Mörder. Werden sie also gezielt ausgewählt, gehören sie auf die Map. Wir nehmen hier aber an, dass sie zufällig ausgewählt werden, weil sie irgendwo alleine in den Gängen arbeiten, deswegen keine Beziehung, keine Aufnahme. 

Als nächstes hätten wir die Verwandten des mordenen Infizierte. Da wäre zu erstmal der Sohn, der sicherlich auch den SC bekannt ist. Da er aber nichts von dem Problem seines Vaters weiß, braucht er nicht mit auf die RelationshipMap.

Bei der Mutter seiner verstorbenen Frau sieht das ganze schon anders aus, den diese verdächtigt ihren Schwiegersohn, Urheber der Morde zu sein (wenn auch nur, weil sie ihm den Sohn wegnehmen will). Sie nimmt hier eine wichtige Rolle ein, den sollten die SC wirklich nicht auf die Idee kommen, dass der Bordtechniker dahinter steckt, kann sie Ideen liefern. Außerdem könnten wir sie einen Affäre mit dem Sicherheitschef haben lassen.

Beim Außerirdischen Priester haben wir seinen Häuptling ja schon eingebaut. Fragt sich nur, ob wir seinen Novizen mit einbauen sollten. Zum einen könnte dieser die SC bewundern, zum anderen könnte er wegen seiner Technikbegeisterung auch mit dem Bordtechniker befreundet sein. Aber auch das Gegenteil wäre denkbar, dass er Stimmung gegen die Menschen und ihre Verdächtigungen macht. Insgesamt bringt er aber keine wirklichen neuen Konflikte hinein, also lassen wir ihn draußen.

Nun tragen wir die neuen Figuren in die RelationshipMap ein, und verbinden sie mit den anderen Figuren. Danach notieren wir uns alle anderen NSCs, auf die wir so gekommen sind irgendwo, damit wir sie nicht vergessen. Die nun aktuallisierte RelationshipMap sieht nun so aus:


Insgesamt wissen wir nun, wer zu wem steht, aber auch, wer wie zu Handlungen einer anderen Figur steht. Außerdem können wir erste Motivationen ablesen, und sogar Handlungsabsichten einzelner.

                 Exkurs: ConflictWebs

Eine Erweiterung der RelationshipMaps sind ConflictWebs. Hier gibt es zwei wesendliche Unterschiede. Erstens den Kern bilden keine einzelnen Figuren mehr, sondern immer Gruppen von NSCs (und event. SC). Zum anderen sind für verschieden Beziehungen bestimmte Symbole festgelegt.

Am übersichtlichsten haben sich 3 Parteien in einem ConflictWeb erwiesen, wobei man jeder Partei noch 2 bis 3 wichtige Figuren zu ordnen. Nun werden die Parteien mit Pfeilen verbunden, und deren Enden mit den Symbolen versehen, wie die Parteien zu einander stehen. Dabei symbolisiert ein Kreis Feindschaft, ein Rechtrecht bedeutet Freundschaft, und ein Dreieck Abhängigkeit. Nachdem nun die einzelen Parteien verbunden sind, wiederhole ich das Spiel mit den einzelnen Mitgliedern der Parteien (wobei hier im allgemeinen nicht jeder zu jedem eine Beziehung hat).

In einem Conflikt-Web findet man im allgemeinen mehr Konflikte als in einer RelationshipMap, auch sind die Konflikte dort eher dauerhafterer Natur.

              Wieviele Figuren in der Relationshipmap?

Die Antwort lautet, so wenig wie möglich, und soviel wie nötig. Bei jeder Figur kann man sich fragen, ob man sie wirklich wichtig fürs Geschehen ist, und wenn nein, streicht man sie raus. Die obige RelationshipMap ist bereits recht groß, viel größer sollte man sie nicht machen. Ein simples Befreie-die-Prinzessin aus den Klauen des Drachen kommt schon mit drei Figuren aus, dem Drachen, der Prinzessin und den SC.

 

              „... und zum Schluss noch ein Dungeon“

Eine schwierige Situation ist immer, wenn sich die Charaktere der Spielern kennenlernen sollen, und später dann auch miteinander befreundet sein sollen. Oft wirkt sie konstruiert, oder aber die SC finden nicht wirklich zu einander. Hier gibt es eine Vielzahl an Lösungen.

Zum einen die klassische, die Charaktere kommen von einem Ort nicht weg, und müssen zusammenarbeiten. Hier kann es sich um ein Schiff auf hoher See handeln, ein Dorf in dem Sie eingeschneit sind, oder der Kerker aus dem sie sich gemeinsam befreien müssen. Vorteil ist, dass es sehr einfach ist, dafür zu sorgen, dass die SC sich kennenlernen, auch ist ein solches begrenztes Szenario sehr leicht zu planen und zu leiten. Außerdem haben die Spieler im Anschluss meist einen Grund zusammen zu bleiben, den der gemeinsame Kampf gegen eine Gefahr schweißt zusammen. Hier besteht aber die Gefahr die Spieler zu frustrieren, da sie hier viel Handlungsfreiheit verlieren.

Eine andere Möglichkeit ist es, die Charaktere in eine Situation zu bringen, wo sie sich kennenlernen. Diese Möglichkeit bietet für die Spieler viele Überraschungen, da man nicht genau weiß, wann wer wen kennenlernt, und ist wesentlich freier als obige Methode, wirkt aber leider oft sehr konstruiert oder erfordert sehr viel Plannung. Außerdem kann es dazu kommen, dass sehr intensive Charakterspieler danach keinen Grund sehen, mit den restlichen SC etwas zu tun zu haben. Insgesamt ist dies aber eine Methode, die bei reichlich Vorbereitung den Spielern viel Spaß machen kann. 

Anstelle als SL das Kennenlernen vorzubereiten, kann man den Spielern am ersten Abend auch spontan sagen, so nun erzählt mal alle zusammen wie sich eure SC kennengelernt haben. Bei einer solchen spontanen Improvisation kommen meist sehr interessante Geschichten bei heraus, die dann auch jeder Spieler für seinen SC als richtig empfindet. Auch erhält man als SC einen weiteren Einblick in mögliche Flaggen der Spieler. Nachteilig wird es, wenn man jemanden in der Gruppe hat, der gern versucht alles an sich zu reißen, und die Gruppe zu dominieren. Hier muss man als SL dann gegenwirken. Auch eignet sich diese Methode wenig für eher nicht so kreative Spieler. 

Man kann auch als klares Konzept bei der Generierung schon vorgeben, dass sich die Charaktere kennen, und die Spieler müssen sich von vorne herein überlegen, warum sich die SC kennen, und dies mit einplanen. In einem solchen Fall ist es sinnvoll, dass die Spieler die Verhältnisse ihrer SC in einer RelationshipMap festhalten. Auch weitere Bekannte und Verwandte der SC kann man bereits in diese Map mit einbringen. Vorteil ist hierbei, dass die Charakterkonzepte leichter aufeinander abgestimmt werden, und der von manchen Spielern als langweilig empfundene Teil des Kennenlernens aus dem eigentlichen Spielgeschehen herausgehalten wird. Nachteilig ist natürlich, dass versteckte Charakterkonzepte hier leichter verraten werden können, und das die Spannung des Kennenlernens fast ganz unter den Tisch fällt. 

Die perfekte Methode gibt es im Endeffekt nicht, wie sich die Charaktere kennenlernen, wobei die erstere im allgemeinen als die schlechteste empfunden wird, aber eigentlich auch immer akzeptiert wird. Ich selbst bevorzuge die letzte Methode, wobei die Methode des spontanen Improvisierens durch die Spieler auch sehr viel Spaß macht.

Chaos

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geschrieben am: Thu, 14 May 2009
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